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published by Uwe Scholz /
Bilder: eclipse at 01.06.2003
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eclipse – Ambulanz für psychedelische Fälle
Wer kennt sie nicht, die Inkarnation des unerwünschten Helfers? Ununterbrochen strahlende Menschen, meist akkurat gescheitelte Männer in Anzug und Krawatte, die einem ungefragt ohne Rücksicht auf tatsächlichen Bedarf, Bibeln oder anderes Unerwünschtes zur Besserung aufdrängen? Bei den meisten Gelegenheiten ist das nicht weiter problematisch, sondern nur nervend.
An anderen Orten und zu anderen Zeiten, während einer Party, wenn man wegen einer Grenzerfahrung mit Drogen primär Ruhe sucht, kann ähnlich ungewollte ‚Hilfe‘ mehr Komplikationen schaffen als sie hilft, werden Außenstehende als Fremdkörper wahrgenommen, wird ihnen nicht ernsthaft Handlungs- und soziale Kompetenz zugetraut – werden moralische Ansprachen und verständnislose Behördenwillkür gefürchtet.
Eclipse dagegen wuchs und wächst in der Partykultur. Der Name steht für die Vereinigung von „Sonne und Mond, Licht und Schatten, Tag und Nacht“. Eine Eclipse stellt sowohl einen Moment der Krise wie höchsten Energie dar, eine Zeit, sich „an geschützte Orte zurückziehen“. Gegründet 1999 in Berlin, hat der Verein gut 30 Mitglieder, nicht nur in Berlin. Eclipse ist seit 1997 Jahr für Jahr auf der Fusion und auch auf der VooV. Über das Party-Wochenende hinweg wird rund um die Uhr im Schichtbetrieb von Mitgliedern und SymphatisantInnen, Begleitung in schwierigen Situationen angeboten, ein Ort der Ruhe und Entspannung geschaffen. Hier finden sich in der Krise Ansprechpartner in einer angenehmen Umgebung. Finanziert wird das Ganze aus den Mitgliedsbeiträgen, Spenden und einem Veranstalterzuschuss.
Eclipse ist keine fürsorgliche Belagerung, niemandem wird Begleitung aufgezwungen. Der Verein wurde von Partygängern mit eigenen Konsumerfahrungen gegründet. Leuten, die wissen, dass sich mitunter für manch eineN der Konsum, zum ernsten Problem entwickeln kann, mit dem sie oder er alleine nicht mehr klar kommt. Leuten, die wissen, dass Ärzte oder Sanitäter aufgrund fehlender Erfahrung mit Psychedelika oft nicht in der Lage sind, psychedelischen Grenzsituationen mit herkömmlichen Mitteln und wohl auch entsprechender Gelassenheit zu begegnen.
Eclipse behandelt nicht, verabreicht auch keine Medikamente, sondern begleitet Menschen, die zu viel, zu lange oder für sie Falsches genommen haben oder aus anderen Gründen mit den konsumierten Substanzen ein Problem bekommen.
In der Regel ist es mit einem Begleiten durch diese Phase des körperlichen wie psychischen Unwohlseins getan. Es muss sich nur jemand kümmern. Die Hilfesuchenden laufen meist ganz von selbst im Eclipsezelt auf. Mitunter weisen andere Partygänger Eclipser auf mutmaßlich Hilfbedürftige, beispielsweise irgendwo völlig apathisch Rumliegende hin. Manchmal genügt bloßes Antippen, um sich zu überzeugen, dass hier niemand kollabiert ist, manchmal die kurze Frage, ob ein Hilfebedarf besteht.
Grenzerfahrungen sind kein einzigartiges Phänomen, noch grundsätzlich lebensbedrohlich, sondern schlicht eine Krise. Wobei diese sowohl bedrohlich wie auch eine Veränderung sein kann. Nicht alleine gelassen zu werden und nicht an überforderte Sanis zu geraten, ist oftmals schon ein erster ‚helfender‘ Schritt. Körperliche oder psychisch dunkle Stunden gehen vorüber, im Allgemeinen. Mit Zuhören, einer Decke oder Matraze in einem abgedunkelten Space, wenn du ihnen Wasser oder Chai reichst, werden Menschen in einer Krise nicht alleine gelassen. „Eine unterstützende Begleitung kann sowohl langwierige Komplikationen verhindern wie den Nutzen einer solchen Erfahrung sichtbar machen“. Mit anderen Worten, Eclipse hebt nicht den moralischen Zeigefinger.
Nur in wirklichen medizinischen Notfällen werden die Begleiteten an Sanis und Ärzte weitergeleitet. Nach aller Erfahrung sind diese für die Arbeit von Eclipse durchaus dankbar, oftmals bringen sie selbst Leute vorbei. Die Kooperation klappt gut.
Schau doch auf der Fusion oder der VooV mal rein ins Eclipse-Zelt. Neben psychedelischer ersten Hilfe („Begleitung von Krisenerlebnissen nach Substanzgebrauch“) gibt es bei Eclipse auch Chai, Wasser, Obst, isotonische Drinks, Bachblüten, Tampons und Ohrenstöpsel sowie Informationen zum Thema Partydrogen und Safer Use.
www.eclipse-online.de
"Jeder muss und wird die Verantwortung für sein eigenes Leben tragen, und unser Ziel kann nur sein, jeden in seiner persönlichen Entscheidung zu unterstützen und uns zu bemühen, ausgewogene und möglichst nicht ideologisch gefärbte Informationen bereitzustellen und eine tabufreie Diskussion über Drogen und Drogengebrauch zu ermöglichen. Hilfe anzubieten für den, der sie braucht und in Anspruch nehmen will. Es ist somit auch nicht unser Ziel, die mit Drogen verbundene Problematik zu verleugnen oder herunterzuspielen."
Unterwegs:
Auf diesen Festivals findet ihr ein eclipse-Zelt:
VooV Experience
8. bis 10. August 2003 in Putlitz (MecPomm)
www.voov-experience.de
U.site Fusion
26. bis 29. Juni bei Rechlin-Lärz (Müritz), Brandenburg
www.fusion-festival.de
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