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published by Wiebi, Vali, Frederik, Ali, Rü (eclipse e.V.) at 25.01.2002

psychedelic welfare : help yourself - take care for others!

Das Psychedelische-Ambulanz-Info


Drogen nehmen macht Spaß - keine Frage. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass gut neun von zehn Jugendlichen und Erwachsenen der westlichen Hemisphäre eingehende Erfahrungen damit sammeln und für den Großteil hiervon auch eine regelmäßige Rauscherfahrung zum Lebensalltag gehört...

Zweifelsohne hängt der Konsum unsere geliebten "Volksdrogen" Alkohol und Tabak auch eng mit dem größten Teil der "Übel" zusammen, die mit Drogengebrauch in irgendeiner Art und Weise einhergehen können. Hinter derart schädlichem Gebrauch steht eine Menge individueller Lebenssituationen, gesellschaftlicher Ansprüche und Normen sowie kultureller Erwartungen. Und eng damit verbunden sind auch viele psychische Probleme und Krankheiten, deren Ursprung und Ausmaß auf unsere Gesellschaft kaum zu erfassen sind.

Dass sich in Sachen Aufklärung und Information in der Techno-Szene trotzdem fast alles um die synthetischen Stoffe dreht hat sicherlich schon von daher seine Berechtigung, dass das Wissen über diese Stoffe in unserer Kultur lange noch nicht so verbreitet und verinnerlicht wurde, wie das bei unseren "Volksdrogen" der Fall ist. Und zudem betritt der User vor allem bei den Psychedelika oftmals Bewusstseinsebenen, die bei Alkoholgebrauch meist gedeckelt bleiben, weil bei hohen Dosen die betäubenden Effekte die stimulierenden ausschalten und vom Alkohol allgemein gar keine bewusstseinsverstärkenden Erlebnisse erwartet werden.

Zumindest von außen betrachtet stehen in der Trance- und Techno-Szene dagegen die legalen Drogen eher im Schatten der allgemein als viel "gefährlicher" eingeschätzten synthetischen Geist-und-Körper-Manipulatoren. Dabei wissen wir ja eigentlich, dass der gute alte Jägermeister auch bei uns und besonders nach der zweiten Nase oder als Pillenspüler seinen zweiten Frühling erlebt und auf vielen Parties gesoffen wird ohne Ende. So einigen scheint zudem ihr(e) Bong an der Hand festgewachsen, bis sie kreidebleich nach hinten kippen. Vom Tabak-Konsum mal ganz abgesehen...

Außergewöhnliche Bewusstseinszustände und Krisen

Im Gegensatz dazu werden vor allem LSD- oder mushroom-Räusche oft mit "halluzinogenen", "bewusstseinserweiternden", "visionären" oder auch "psychotischen" Zuständen gleichgesetzt. Das klingt zum Teil sehr positiv, deutet aber auch darauf hin, dass mit diesen Drogen oft Erlebnisse verbunden sind, die für die reisende Person manchmal nur schwer zu bewältigen sind.
Auch die Wirkungen von Ecstasy, manchmal auch Cocain oder Amphetaminen und prinzipiell auch allen anderen Drogen können durchaus als psychische Krise erlebt werden, wenn wir ungewohnte Bewusstseinsebenen betreten. Und da inzwischen die User von Synthetischem meist gleich mehrere Substanzen geklinkt haben...

Krisen sind von Natur aus erst einmal nichts schlimmes, auch wenn sie im unmittelbaren Erleben oft als bedrohlich und bestimmend wahrgenommen werden. Sie bergen auch immer ein Wachstumspotenzial in sich - Nahrung für den Geist sozusagen. Denn in der Veränderung und der immer neuen Entscheidung für oder gegen einen Pfad, der sich plötzlich auftut, liegt unsere Urkraft und der Schlüssel zu jeder Entwicklung. Krisen bezeichnen also Wendepunkte und fordern uns heraus, den Rahmen für unser Sein wieder neu zu setzen. Sie sind aber auch mit einem schwierigen, weil komplizierten inneren Prozess verbunden, der dazu führt, dass wir unser System anpassen oder sogar umfangreich umstellen.

Stress, aktuelle Probleme oder seit langem verdrängte Traumata führen aber auch oft dazu, dass uns auftretende Krisen über-fordern und wir plötzlich nicht mehr angemessen agieren können. Wir haben dann verschiedene Strategien zur Verfügung, um in diesem Zustand zu re-agieren. Meist wählen wir eine Form der Abwehr, zum Beispiel durch Ausweichen, Abschottung oder Angriff, denn nur selten gelingt es uns auf Anhieb, uns für umfangreiche Veränderungen zu öffnen. Solange wir auf eine dieser Arten angemessen reagieren können, geraten wir nicht in eine Situation, mit der wir nicht mehr klarkommen. In manchen Situationen geht die Überlastung aber so weit, dass der Krisenzustand uns unerträglich erscheint. Wir wissen, dass wir reagieren müssen, aber wir finden auf Anhieb keine Lösung, die wir hinnehmen und aushalten können.

Drogen und unter ihnen insbesondere die Psychedelika können eine Menge der Pforten des Bewusstseins öffnen und es uns so ermöglichen, außergewöhnliche Bewusstseinszustände zu erreichen. In den meisten Fällen streben wir dabei eine friedvolle, lustvolle und spaßige Erfahrung an, die nicht mit Zwangszuständen oder Situationen verbunden ist, in denen Druck auf uns lastet.
Für das Erleben einer solchen Erfahrung sind einige Grundsätze unerlässlich, für die sich der Begriff "Safer Use" eingebürgert hat. Dazu gehört, nie Drogen zu gebrauchen, wenn man sich nicht körperlich und geistig fit fühlt oder von besonderen Risiken weiß, nie schlecht informiert oder alleine Drogen zu gebrauchen und vor allem dann nicht, wenn man nicht bereits intensive Erfahrungen mit denselben Stoffen gemacht hat und und und. Oft sollte das ganz einfach zum spontanen Verzicht auf die angepeilten Drogen führen. Geht man gut informiert und vorsichtig in die Drogenerfahrung und ist sich dabei seiner persönlichen Verantwortung für das eigene Handeln bewusst, so schaltet man zumindest einen großen Teil der Risiken damit aus.
Das Wirkprinzip dieser Stoffe ist aber auch damit verbunden, dass sie einen (in aller Regel begrenzten) Kontrollverlust verursachen, der nicht selten dazu führt, dass uns bewusstes Handeln gar nicht mehr so leicht fällt... Die meisten erfahrenen Psychedelika-User dürften wissen, wie schwer es in oftmals im Nachhinein nur leichten Krisensituationen auf LSD oder Pilzen fallen kann, entsprechend zu reagieren, ohne dabei einen gehörigen Stimmungsabfall zu riskieren, zumal dieselben Drogen ja auch die Gefühle teilweise sogar extrem verstärken können...

Extremsituationen und Notfälle

Manchmal ist es daher sehr schwer, einen aktuellen kritischen Zustand auszuhalten. Am besten und ehesten machen wir uns dann bewusst, wie reich wir an allen möglichen Gefühlen sind und dass erst negative und positive Erfahrungen zusammen genommen diesen menschlichen Gefühlsreichtum begründen können.
Aber ein Trip kann für die oder den ReisendeN auch zum ernsten Problem werden, mit dem alleine nicht mehr klar zu kommen ist. Insbesondere wenn tief liegende Probleme an unsere Oberfläche kommen, wird es uns manchmal ganz unmöglich, unsere "Fassung" zu bewahren und wir müssen unseren Problemen in Form von Tränen, Depressionen oder Verzweiflung freien Lauf lassen, weil wir allein vielleicht kaum einen Ausweg finden.
Diese überfordernde Krise, ein Wendepunkt, gleicht einer eclipse (engl. für Sonnen-/Mondfinsternis), in der sich Sonne und Mond, Licht und Schatten, Tag und Nacht vereinigen - ein Moment der höchsten Energie. So wie Tiere sich an geschützte Orte zurückziehen, so brauchen auch wir in diesem Moment manchmal einen besonderen Raum dafür, uns mit den Bedürfnissen unseres Körpers und Geistes zu beschäftigen, zu entspannen und neue Kraft zu sammeln. Denn wer ungeschützt Denn wer ungeschützt in die sich verdunkelnde Sonne blickt, läuft Gefahr, zu erblinden.

Die Gründungsidee von eclipse bestand darin, auf Parties einen solchen Raum zu schaffen. Dabei arbeiten wir immer eng mit Ärzten und Sanitätern zusammen und versuchen so, eine Einweisung in die Psychiatrie zu verhindern. Wir begleiten und unterstützen soweit es geht. Und wir bieten natürlich auch Informationen, Tipps, Unterstützung unabhängig davon, ob sich jemand in einer Krisensituation befindet.
Auf diese Art wollen wir einen Kommunikationsraum schaffen, der gegenseitiges Vertrauen, Kontakt und Unterstützung in der Szene (wieder) selbstverständlich macht.

Übrigens: Egal auch, wie breit ihr selbst seid - es sollte eine absolute Selbstverständlichkeit sein, auf einer Party zu helfen oder zumindest Hilfe zu organisieren, wenn jemand in Schwierigkeiten ist.


more:
contact:


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First Aid
oder: wie reagieren, wenn jemand körperliche Probleme hat?
Egal, welche Drogen Verursacher oder Auslöser sind: Wer auf einer Party über längere Zeit regungslos da liegt oder ernsthafte Probleme haben könnte, braucht eure Hilfe. Dabei sollte gelten:
· Die Frage, wer an der Situation die "Schuld" trägt oder für sie verantwortlich ist, spielt keine Rolle.
· Immer erst mal testen, ob jemand ansprechbar ist oder im Zweifelsfall vielleicht einfach geweckt werden kann. Aber: Nähert euch immer vorsichtig und stellt klar, ob die Person wirklich eure Hilfe will oder dringend braucht, oder nicht. Auf jeden Fall jede Handlung ankündigen oder noch besser mit der Person absprechen (z.B. "Was hältst du von einer warmen Decke?" oder "Versuch doch mal, die Beine hochzulegen, das bringt den Kreislauf in Schwung").
· Wenn ihr euch überzeugt habt, dass eure Hilfe angesagt ist: Ruhig bleiben und Ruhe vermitteln - auch wenn's schwer ist. Panik hilft nicht!
· Die Person am besten gar nicht, wenn doch unbedingt nötig für nicht mehr als ein paar Sekunden alleine lassen.
· Puls und Atmung kontrollieren. Das macht man so: Puls: kann man am besten an der Halsschlagader erspüren (aber Vorsicht: das kann manchmal auch als bedrohlich erlebt werden, daher immer erst mal die Hand nehmen). Atmung: Hand auf den Oberbauch (Frauen) bzw. Brustkorb (Männer), der ist am sichersten und schnellsten zu finden - zum Teil immer noch verbreitete, "klassische" Tipps (z.B. Spiegel am Mund für Atmung oder Finger am Armpuls) funktionieren meist nicht oder brauchen ständige Übung. Zur Unterstützung andere mit einbeziehen.
· Sofort entscheiden, ob ein Arzt oder Sanitäter her muss. Im Zweifelsfall immer rufen oder noch besser rufen lassen. Wer aus Angst vor Konsequenzen für sich selbst (z.B. wegen Drogenbesitz oder -konsum) keine Hilfe holt, handelt unverantwortlich. Sanis oder Ärzte interessieren sich nicht dafür, dass jemand bestraft wird und unterliegen außerdem der Schweigepflicht.
· Ein Arzt oder Sani ist vor allem immer dann zu holen, wenn jemand regungslos ist oder offensichtlich ernsthafte körperliche Probleme hat. Wenn ihr auf Hilfe warten müsst und generell überfordert seid: Die Hand Halten oder eine vorsichtige Nackenmassage kann viel bewirken und wird in aller Regel dankbar angenommen.
· Im Schockzustand (erkennt ihr an rasendem Puls, starkem Schwitzen bei Kältegefühl und blauen, kalten Händen, Füßen und Lippen): Ins angenehm Warme bringen, trockene und warme Kleidung/Decken anlegen, Hände und Füße wärmen, z.B durch Massage. Beine hoch (z.B. Füße an die Wand) und ein feuchtes Tuch im Nacken helfen, den Kreislauf in Schwung zu bringen. Den Kopf zur Seite, falls der/diejenige kotzen muss (damit's nicht gefährlich wird).
· Die stabile Seitenlage ist nur dann gut, wenn die Person nicht reagiert und nicht unterkühlt ist.
· Wenn keine Atmung da ist: Mund-zu-Mund-Beatmung, bis Sanis da sind. Auf keinen fall Herzmassage o.ä. probieren, wenn ihr's nicht sicher beherrscht - das kann schwere Probleme noch verstärken!

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Downtalking
oder: wie supporten bei psychischen Krisen?
Auch wenn es jemandem zwar körperlich gut, aber psychisch scheiße geht, könnt ihr unterstützen:
· auch hier gilt: ruhig bleiben - Panik kann anstecken!
· Zuerst checken, ob körperliche Probleme die Hilfe von Ärzten oder Sanis erfordern (siehe "First Aid")
· Grundsätzlich sollte sich eine Person um jemanden mit Problemen kümmern. Es hilft meist nichts, wenn von mehreren Seiten alle paar Minuten eine neuer "sicherer Tipp" kommt. Möglichst bedächtig und reflektiert gute Vibes zuführen hilft generell am Besten.
· Beim Kontakt aufnehmen: Die Person nicht erschrecken, vorsichtig herantasten, nicht sofort tief eindringen (z.B. in die Augen). Das gilt insbesondere für Berührungen und generell bei jedem Kontakt von Männern mit Frauen - manchmal ist es sogar dringend geboten, dass sich nur jemand vom gleichen Geschlecht nähert (sensibel checken!). Fragen, ob FreundInnen in der Nähe sind, die helfen sollen.
· "Normales" Auftreten und Fragen erleichtert den Einstieg, z.B.: "Hey, hallo", "Wie heißt du?" o.ä. Eine Frage wie "Wie geht's?" oder "Gibt's ein Problem?" ist am Anfang meist eine komplette Überforderung und sollte - wenn überhaupt - erst gestellt werden, wenn sich gegenseitiges Vertrauen aufgebaut hat.
· Zwischenzeitlich hilft es oft, wenn ihr die Führung übernehmt, z.B.: "Wollen wir uns mal da hinsetzen und was trinken?" usw. Nie dabei vergessen: Nur was die Person will, hilft ihr auch!
· Aufbauende Angebote machen, z.B.: "Soll ich ´ne Decke organisieren?", "Hier ist warmer Tee, magst du mal probieren, kommt vielleicht gut?" Auch hier gilt: Die Person weiß trotz ihres jetzigen Zustands in aller Regel am besten, was gut für sie ist! Nicht in Hyper-Aktivismus geraten - Händchen-Halten oder einfach Dabeisitzen hilft manchmal am allerbesten.
· Unkooperative, obercoole oder genervte "FreundInnen" wegschicken, aufgeschlossene, feinfühlige unbedingt mit einbeziehen. Wenn die überfordert sind oder nicht hilfreich agieren (z.B durch hektisches Auftreten, dazwischenfunken u.ä., ihnen konkrete Aufgaben geben (z.B. Wasser, Tee oder ´ne Decke besorgen). Wenn sich herausstellt, dass "Beziehungsprobleme" der Grund für die Krise sein könnten, kann es nötig sein, den oder die PartnerIn aufzufordern, mal eine Zeit lang zu verschwinden.
· Angenehme Assoziationen hervorrufen (z.B.: "Fühlt sich doch schön an..." oder "Schau mal, wie lustig..."). Geschichten von eigenen schlechten Erfahrungen ("Mir ist auch mal so was passiert, da kam dieses Monster...") sind absolut tabu! Immer noch mal klar kriegen: um euch selbst geht es gerade nicht!
· Die Grenzen der Person und eigene Grenzen akzeptieren! Vielleicht der schwierigste Punkt. Es ist immer eine Gewissensentscheidung, wie weit ihr mit euch selbst und anderen gehen solltet. Grenzen zu überschreiten, kann im Nachhinein auch zum eigenen Problem werden. Schon im Zweifelsfall Hilfe holen. Ziel sollte es sein, dass ihr selbst möglichst schnell nicht mehr in der Situation seid, unterstützen zu müssen.




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